Gluten, Zöliakie und Weizensensitivität

Sind Ihnen beim Einkaufen schon mal Brot, Brötchen, Pasta und Backwaren mit dem Attribut „glutenfrei“ oder „ohne Gluten“ aufgefallen? Menschen, die mit Gluten – einem Kleber-Eiweiß, welches in verschiedenen Getreidesorten vorkommt – keine Probleme haben, müssen solche Produkte nicht kaufen. Denn sie sind nicht gesünder oder besser bei Diabetes. Im Gegenteil: Meistens sind diese teurer als herkömmliche Getreideprodukte und auch ihr Ballaststoffgehalt teils niedriger als bei konventionellen Vollkorn-Getreideprodukten.
Dennoch haben solche Lebensmittel ihre Berechtigung für Menschen, die an Zöliakie oder Weizensensitivität erkrankt sind.
Zöliakie – eine echte Glutenunverträglichkeit
Wer immer wiederkehrende, starke Beschwerden nach dem Genuss von Backwaren, Pasta oder Fertigprodukten auf Basis von Weizen, Roggen, Hafer, Dinkel und Gerste sowie Produkten daraus hat, kann an einer Zöliakie erkrankt sein. Hier richtet sich das spezifische Immunsystem gegen körpereigene Enzyme, die am Gluten-Stoffwechsel beteiligt sind. Dabei entstehen nach dem Genuss glutenhaltiger Produkte Entzündungen an der Dünndarmschleimhaut. Auf Dauer wird sie dabei nachhaltig geschädigt.
Für Menschen mit einer medizinisch diagnostizierten Zöliakie ist es deshalb lebenswichtig, auf Produkte ohne Gluten umzusteigen – ein Leben lang. In diesem Fall machen also glutenfreie Lebensmittel Sinn.
Dies gilt natürlich auch für Menschen mit Diabetes, die eine medizinisch diagnostizierte Zöliakie haben – bei Typ-1-Diabetes tritt Zöliakie überdurchschnittlich häufig auf. Damit Sie bei dieser Ernährungsweise trotzdem genug Ballaststoffe essen, empfiehlt es sich, täglich frisches Gemüse, Salate, ein bis zwei Portionen Frischobst, allen voran Beerenfrüchte, sowie 25 g bis 30 g Nüsse oder Samen zu essen. Denn Ballaststoffe sind ein wichtiger Nahrungsbestandteil Ihrer Diabetes-Kost.
Gluten bei Weizenallergie und Weizensensitivität
Neben der Zöliakie gibt es weitere Beschwerdebilder, die nach dem Genuss weizenhaltiger Produkte auftreten können. Bei einer Weizenallergie basieren Unverträglichkeiten auf einer Überreaktion des Immunsystems auf Weizeneiweiß, wie Albumin, Globulin oder auch Gluten. Jedoch wird die Darmschleimhaut hier nicht in Mitleidenschaft gezogen. Neben Magen-Darm-Beschwerden kann es zu Asthma und Ekzemen kommen.
Bei einer Weizensensitivität nimmt die Darmschleimhaut keinen Schaden. Beschwerden verbessern sich oft, wenn allein schon auf sehr gluten- oder weizenreiche Produkte wie Weizenbrot, Pizza oder Pasta verzichtet wird. Alternativen können hier auch andere glutenhaltige Getreide und Produkte daraus sein, zum Beispiel Dinkel- oder Roggenbrot, Dinkelpasta oder Gerstenrisotto.
Genetische Faktoren und steigendes Alter
Stellt sich die Frage, warum das Thema Gluten in den letzten Jahren deutlich stärker in den Verbraucherfokus geraten ist. Fachleute vermuten, dass höheres Lebensalter, genetische Faktoren sowie allergieauslösende Empfindlichkeiten auf Lebensmittelbestandteile Gründe sein können. Ebenso spielen Essgewohnheiten in Industrienationen und ein hoher Konsum von Fertigprodukten eine Rolle.
Medizinische Abklärung ist nötig
Allein wegen Magen-Darm-Beschwerden auf herkömmliche Getreideprodukte zu verzichten, ist wenig sinnvoll. Besser ist, die Ursachen medizinisch abzuklären. Dazu kann auch das Führen eines Ernährungstagebuchs nützlich sein. Ebenso wie eine Eliminationsdiät, bei der sehr glutenhaltige oder weizenreiche Lebensmittel für einen begrenzten Zeitraum weggelassen werden. Wichtig ist, hier zu dokumentieren, wie sich das persönliche Befinden dadurch verändert.
Ernährungswissenschaftliche Expertise: Kirsten Metternich von Wolff